Nachdem der Sommer gesundheitlich ganz anders gelaufen war, als ich das eigentlich geplant hatte, wollte ich diesen Herbst noch mal f├╝r eine l├Ąngere Tour aufs Rad zu steigen.

Initial wollte ich nach Dortmund fahren und da ein paar verr├╝ckte Gestalten aus dem Ruhrgebiet und Umkreis auf einem Doom Metal Konzert zu treffen. Aber die steigenden Covid Infektionszahlen Anfang Oktober zeigten schon, dass ein Indoorkonzert f├╝r mich nur mit Maske infrage kommen w├╝rde. Und selbst das war mir irgendwie zu hei├č.

Also habe ich die 330 km Tour nach Dortmund gegen eine noch auf Komoot bereitliegende 295 km Tour getauscht. Genauer gesagt war es der Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee Radweg, der eh quasi vor meiner Haust├╝r vorbei geht. Also Hotel in Dortmund gegen Hotel in Konstanz getauscht. Wettervorhersage war zwar exzellent, aber drau├čen schlafen am Bodensee im Herbst klang doch irgendwie zu feucht. Und so konnte ich dann auch die Lenkerrolle zuhause lassen und bin mit sehr leichtem Gep├Ąck gefahren.

Genauer gesagt hatte ich die 6L Apidura Rahmentasche dabei. Im unteren Fach, Werkzeug, Zahnb├╝rste und Lupine-Akku. Im oberen Fach Regenjacke, Regenhose und Beinlinge. Dann war da noch die 1L Oberrohrtasche, die ich mit Riegeln und Isopulvern gef├╝llt hattte. Das war’s. :)

Wie oben erw├Ąhnt, der Sommer war gesundheitlich durchwachsen. Genauer gesagt, hab ich mich den kompletten August mit einer Covid Infektion rumgeschlagen. Herz und Kreislauf haben ordentlich was abbekommen und die Fahrradkondition musste erst langsam wieder aufgebaut werden. Zwei 60 km Touren durch Rheintal, eine 60 km Tour durch den Kraichgau ├╝ber Neckargem├╝nd und Heidelberg wurden gefolgt von einer 115 km Tour Richtung Heilbronn und dann am Neckar entlang. Dazu die ├╝blichen kurzen Touren zum Supermarkt oder zur Eisdiele.

Naja.. ich war auf jeden Fall halbwegs fit und hab mir gedacht, dass ich es einfach probiere, die Tour zum Bodensee zu fahren. Montag fr├╝h ging es bei mir vor der Haust├╝r los. Die ersten 50-60 km bis Pforzheim waren ├╝berraschend wellig. Pforzheim, die gr├Â├čte Stadt auf der Tour habe ich schnell durchfahren. Also es war nichts da, was mich animiert h├Ątte Pause zu machen. Etwas au├čerhalb am Start des Nagoldtal-Radwegs hab ich eine Fr├╝hst├╝ckspause gemacht und die Kleidungsschichten an die gestiegenen Temperaturen angepasst.

Weiter ging es auf dem wundersch├Ânen Nagoldtal-Radweg. Viele bunte Bl├Ątter. Teils auf Schotter, teils auf Asphalt. Wegen Werktag war eigentlich fast niemand unterwegs und ich konnte gut Strecke machen. In Calw gab es einen Espresso und gegen Mittag hab ich Pause in Nagold gemacht. Dort gibt es direkt am Radweg eine sch├Âne Sonnenterasse direkt am Ufer. Ein paar Riegel, K├Ąsebrezeln und Minisalamis sp├Ąter ging es weiter Richtung Horb.

Der Abschnitt zwischen Nagold und Horb hatte dann auch die ersten l├Ąngeren Steigungen am St├╝ck. Das war gut anstregend, denn viel H├Âhenmeter hatte ich nicht gemacht in den 2 Monaten zuvor. Naja, irgendwann war der Anstieg geschafft und es ging mit hohem Tempo runter ins Tal nach Horb. Hier hab ich im Stadtzentrum direkt am Radweg eine B├Ąckerei gefunden, die meine diversen Bed├╝rfnisse befriedigen konnte. Es gab eine Wasserleitung zum Flaschen auff├╝llen, Backwaren, Cola und ein Klo. ^^

Der Wahoo sagte, dass es von Horb aus nat├╝rlich direkt mit Steigung weiter ging. Denn alles was ich in das Tal von Horb runter gefahren war, musste ich wieder hoch. Alternativ h├Ątte ich einfach den Neckartal-Radweg nach Villingen-Schwenningen nehmen k├Ânnen. Aber irgendwie wollte ich die Steigung. Naja, die Stra├če war leer und die Aussicht auf das herbstliche Tal von Horb zwischenzeitlich sehr toll. Auf der Hochebene angekommen, konnte ich dann links die schw├Ąbische Alb sehen und war froh, dass es da nicht auch noch hoch ging. Trotzdem ging es auch ohne die Alb immer wieder hoch und runter und ich hatte dazu zwischenzeitlich ziemlich starken Gegenwind. Wahrscheinlich war das dann auch so ein Zeitpunkt, wo man einfach h├Ątte aufgebern und in einen Zug steigen k├Ânnen. Keine Option nat├╝rlich! Ich hab’s mir f├╝r 20 Minuten auf einer Bank mit Ausblick gem├╝tlich gemacht und ordentlich Proviant konsumiert.

So gest├Ąrkt ging es weiter nach Rottweil. Irgendwie dachte ich, dass der Weg durch den Stadtkern laufen w├╝rde und ich mich noch mal f├╝r den Abend mit Proviant eindecken konnte. Nat├╝rlich Fehlanzeige. ;-D Aber die POI-Suche auf OSMAnd (Offline-Karte) zeigte einen Netto-Markt in Lauffen an. Hier gabs dann eine gro├če Dose Redbull und eine T├╝te Lachgummi. Also perfekte ausgewogene Verpflegung f├╝r den Rest des Abends. Als ich wieder aufs Rad steigen wollte, dachte ich, dass man ja mal nach dem Akkustand des Fahrradcomputers (Wahoo) gucken k├Ânnte. Der zeigte 50% F├╝llstand an. Habe mich kurz gewundert, weil der schon viel leerer sein sollte. Im n├Ąchsten Momemnt geht das Teil kommentarlos aus. Also war er vielleicht doch nicht mehr so voll. ;-D Mehrere Versuche mit angeschlossenem Stromkabel haben ihn dann irgendwie wieder zum Leben erweckt. Der Track konnte zumindest zum Teil vom Computer wiederhergestellt werden. Die letzten 30 km bis zum Stop am Supermarkt waren allerdings weg. Ist nat├╝rlich ├Ąrgerlich, aber in dem Moment war ich froh ├╝berhaupt noch Navigation zu haben. Die h├Ątte ich sonst mit Komoot ├╝ber Kopfh├Ârer machen m├╝ssen.

Weiter ging es Richtung Villingen-Schwenningen. Es wurde langsam dunkel, der Verkehr wurde weniger und der Radweg war richtig klasse ausgebaut. Der Kick durch den Energy-Drink sorgte f├╝r Spass und gutes Tempo. In Villingen-Schwenningen selbst soll es irgendwo in einem Park direkt an der Route die Neckarquelle geben. Ich hatte vorher aber schon gelesen, dass es gar nicht die wirkliche Quelle war, sondern der Neckar au├čerhalb in einem Waldgebiet startet. Also gar nicht erst angehalten und weiter. Kurze Zeit sp├Ąter (es war inzwischen komplett dunkel) kam ich in Donareschingen an. Hier gab’s dann direkt die zweite Quelle, die ich mir nicht angeschaut habe. Daf├╝r bin ich direkt in eine Querdenker/Pro-Russland Demo geraten. Gleich weiter Gas gegeben und etwas au├čerhalb an einem total verratzen D├Âner/Pizza Bringdienst ├╝berraschend guten Kaffe bekommen. Dazu hat die K├Âchin lauthals t├╝rkische (?) Schlager gesungen. ;-D

Endspurt - es waren noch grob 70km zu fahren. Ein letzter Anstieg wartete auf mich. Der erste Teil war dann tats├Ąchlich so steil (> 13%), dass ich lieber mal geschoben hab. Wollte mir auf den letzten Kilometern nicht die Knie zerst├Âren. Nach dem ersten Steilst├╝ck ging es dann leicht wellig bergauf. Es war richtig neblig geworden, der HSB Radweg lief nur noch ├╝ber Stra├čen und tags├╝ber bzw. mit Verkehr h├Ątte mich das total genervt. Mitten in der schw├Ąbischen Pampa waren die Stra├čen wie ausgestorben und es ging sehr gut voran. Irgendwann zeigte mir der Computer, dass es von nun an nur noch bergab ging. Also noch mal Pause mitten im nebligen Wald gemacht und die T├╝te Lachgummi geleert.

Ab hier ging es dann mit hohem Tempo wie im Tunnel Richtung Radolfszell am Bodensee. Hier war der offizielle Teil des HSB Radwrgs zuende. Da mein Zug (Regional-Express nach Karlsruhe) am n├Ąchsten Tag aber von Konstanz aus fuhr, hatte ich mir da das Hotel gebucht. Ab hier ging es noch mal knapp 20 km auf dem wirlich perfekt ausgebauten Bodensee-Radweg weiter. Die ganzen Markierungen bzw. der stellenweise zweispurige Ausbau lie├č erahnen, dass es tags├╝ber ziemlich voll ist auf dem Weg. So war ich nat├╝rlich als einziger unterwegs.

Fun Fact: Ich hatte bei der Reservierung des Hotelzimmers angegeben, dass ich wohl gegen Mitternacht ankomme. Tats├Ąchlich hab ich dann um 23:50 Uhr mein Rad an der Rezeption abgestellt. Mein gutes Bauchgef├╝hl f├╝r Zeit/Strecke scheint auch auf langen Distanzen ganz gut zu funktionieren.

Tja, alles in allem wieder eine sehr sch├Âne Tour gewesen. Es bleibt dabei: wenn Grundkondition und Verpflegung stimmen, dann machen mir diese langen Touren richtig Spass! :-D